Einleitung
Collaborative Law – häufig auch Collaborative Practice (CLP) genannt – ist ein noch vergleichsweise neues, kooperatives Verfahren zur Lösung von Konflikten. Statt gegeneinander vor Gericht zu streiten, verhandeln die Beteiligten strukturiert miteinander – jeweils begleitet von speziell geschulten Anwälten. Gerade weil CLP in Deutschland noch wenig bekannt ist, tauchen bei Mandanten viele Fragen auf: Wie läuft das ab? Welche Kosten entstehen? Wie lange dauert das und bin ich ausreichend geschützt?
Diese FAQ-Seite bündelt die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Collaborative Law. Sie soll Orientierung geben, typische Missverständnisse aufklären und dabei helfen, einzuschätzen, ob CLP zu Ihrer Situation passt. Weitere vertiefende Informationen finden Sie auf unserer CLP-Übersichtsseite sowie auf den spezialisierten Seiten zu Scheidung, Erbstreitigkeiten und internationalen Fällen.
Inhalt
Grundlagen – Was Mandanten vorab wissen müssen
Was ist Collaborative Law?
Collaborative Law (oder Collaborative Law Practice, kurz: CLP) ist ein außergerichtliches Verfahren zur Konfliktlösung. Die Parteien bearbeiten ihren Konflikt in einem geschützten Rahmen kooperativ, statt vor Gericht zu streiten. Jede Partei wird von einem eigenen CLP-Anwalt begleitet. Gemeinsam arbeiten alle Beteiligten in strukturierten Sitzungen an einer tragfähigen Lösung.
Im Unterschied zur Mediation vertreten die CLPAnwälte die Interessen ihrer jeweiligenMandanten und beraten sie rechtlich während des gesamten Prozesses. Anders als im klassischen Gerichtsverfahren wird jedoch auf konfrontative Schriftsätze und prozessuale Taktik verzichtet. Ziel ist eine faire, ausgewogene und rechtssichere Vereinbarung. Eine ausführlichere Einführung in das Verfahren finden Sie auf unserer CLP-Übersichtsseite.
Für welche Konflikte eignet sich CLP?
Collaborative Law eignet sich besonders für Konstellationen, in denen die Beteiligten in Zukunft weiterhin in einem persönlichen oder wirtschaftlichen Bezug zueinander stehen und eine konstruktive Lösung suchen. Typische Anwendungsfälle sind:
- Komplizierte Trennung und Scheidung, insbesondere mit gemeinsamen Kindern, Immobilien oder Vermögen
- Streitigkeiten und Konflikte innerhalb von Erbengemeinschaften
- internationale Streitfälle, etwa im deutsch–französischen Familien- oder Erbrecht
Voraussetzung ist, dass beide Seiten grundsätzlich zu einem kooperativen Vorgehen bereit sind und Informationen offenlegen. CLP ist in der Regel nicht geeignet, wenn eine Partei jegliche Zusammenarbeit verweigert, massives Machtungleichgewicht besteht oder der Verdacht von Gewalt, Zwang oder massiver Einflussnahme im Raum steht. Für erbrechtliche Konstellationen finden Sie ergänzende Hinweise auf unserer Seite zu Erbstreit gütlich beilegen.
Ablauf & Organisation des CLP-Verfahrens
Wie läuft ein CLP-Verfahren konkret ab?
Zu Beginn stehen in der Regel getrennte Erstgespräche zwischen den Parteien und ihren jeweiligen CLP-Anwälten. Hier werden Ziele, Erwartungen und mögliche Grenzen des Verfahrens geklärt. Entscheiden sich beide Seiten für Collaborative Law, wird eine Teilnahmevereinbarung (Participation Agreement) geschlossen, in der die Regeln des Verfahrens, die Transparenzpflicht und die sogenannte Qualifikationsklausel festgehalten sind.
Im Anschluss folgen gemeinsame Vierersitzungen: zwei Parteien, zwei CLP -Anwälte. In diesen Sitzungen werden zunächst die Interessen und Bedürfnisse aller Beteiligten herausgearbeitet. Auf dieser Basis werden verschiedene Lösungsoptionen entwickelt und Schritt für Schritt verhandelt. Bei Bedarf können externe Experten, etwa aus den Bereichen Steuern, Finanzen, Unternehmensbewertung oder Psychologie, hinzugezogen werden. Am Ende steht – idealerweise – eine vertragliche Lösung, die anschließend notariell beurkundet und damit rechtlich verbindlich gemacht werden kann. Bei Scheidungsfällen wird die Vereinbarung später in das familiengerichtliche Verfahren integriert, um eine einvernehmliche Scheidung zu ermöglichen.
Wie lange dauert ein CLP-Verfahren?
Die Dauer eines CLP-Verfahrens hängt stark von der Komplexität des Konflikts, der Anzahl der Themen und der Kooperationsbereitschaft beider Seiten ab. In einfacheren Konstellationen (z. B. überschaubares Vermögen, und Unterhalt) kann eine Einigung innerhalb weniger Wochen erzielt werden. Häufig ist jedoch mit mehreren Sitzungen über einen Zeitraum von einigen Monaten zu rechnen.
Im Vergleich zu langwierigen Gerichtsverfahren mit möglicherweise mehreren Instanzen ist CLP in vielen Fällen deutlich schneller. Zwischen den Sitzungensollte ausreichend Zeit zum Nachdenken, für Rücksprache und ggf. die Einbindung externer Fachleute bleiben. In international geprägten Fällen kann die Abstimmung mit ausländischem Recht zusätzlichen zeitlichen Aufwand bedeuten. Weitere Hinweise zu grenzüberschreitenden Sachverhalten finden Sie auf unserer Seite zum internationalen Erbrecht (D–FR).
Was passiert, wenn keine Einigung erzielt wird?
Ein zentrales Element von Collaborative Law ist die Qualifikationsklausel: Die beteiligten CLP-Anwälte verpflichten sich, die Parteien im Falle des Scheiterns des Verfahrens nicht vor Gericht zu vertreten. Kommt keine Einigung zustande, müssen beide Parteien neue anwaltliche Vertretungen beauftragen, wenn sie ihren Konflikt gerichtlich klären lassen möchten.
Diese Regel schafft einen starken Anreiz für alle Beteiligten, ernsthaft und konstruktiv auf eine Lösung hinzuarbeiten. Zugleich wissen die Mandantinnen und Mandanten, dass ihre CLP-Anwälte die kooperative Verhandlung nicht mit späteren prozessualen Strategien vermischen werden. Scheitert das Verfahren dennoch, können die im Rahmen von CLP gewonnenen Erkenntnisse und Entwürfe – soweit rechtlich zulässig und gewünscht – als Grundlage für weitere Verhandlungen oder gerichtliche Vergleiche dienen. Oder die Beteiligten verpflichten sih, die gewonnenen Erkenntnisse vertraulich zu behandeln und nicht in das gerichtliche Verfahren einzuführen. Wie man sich hier entscheidet, hängt sehr stark vom jeweiligen Einzelfall und den Interessen ab.
Kosten & Wirtschaftlichkeit
Was kostet Collaborative Law?
Die Kosten eines CLP-Verfahrens orientieren sich typischerweise an den üblichen Honorarstrukturen anwaltlicher Beratung. Häufig wird auf Stundenbasis oder nach den gesetzlichen Gebührenvorschriften abgerechnet, oder eine Kombinationen aus beidem Die Gesamtkosten hängen davon ab, welche Werte involviert sind, wie komplex der Fall ist und ggfs. wie viele Sitzungen erforderlich sind. .
Erfahrungsgemäß kann Collaborative Law kosteneffizient sein, wenn durch die kooperative Arbeitsweise langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen mit mehreren Instanzen vermieden werden. Dennoch ist CLP kein „Billigverfahren“: Die intensive, individuelle Betreuung durch speziell geschulte Anwälte stellt einen erheblichen Arbeitsaufwand dar. Gern erläutern wir in einem Erstgespräch, mit welchen Größenordnungen Sie in Ihrer konkreten Situation rechnen sollten und wie sich CLP im Vergleich zu alternativen Vorgehensweisen darstellt. Eine Einordnung im Familienrecht finden Sie auch auf unserer Seite zur einvernehmlichen Scheidung mit CLP.
Wer trägt die Kosten?
Die Frage der Kostentragung wird zu Beginn des CLP-Verfahrens transparent besprochen und in den Mandatsvereinbarungen geregelt. Häufig tragen beide Parteien die Kosten der gemeinsamen Sitzungen anteilig, während die individuelle Beratung durch die jeweils eigene Anwältin bzw. den eigenen Anwalt der betreffenden Partei zugeordnet wird. In manchen Konstellationen – etwa bei unternehmensrechtlich geprägten Streitigkeiten – kann es sinnvoll sein, die Kosten nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit zu verteilen oder besondere Vereinbarungen zu treffen.
Wichtig ist, dass die Kostenregelung für alle Beteiligten nachvollziehbar und akzeptabel ist. In der Praxis werden häufig Modelle gewählt, die die gemeinsame Verantwortung für den Einigungsprozess widerspiegeln und verhindern, dass die Kostenlast einseitig als Druckmittel eingesetzt wird. Ihr CLP-Team erläutert Ihnen im Rahmen der Vorbereitung, welche Varianten in Ihrem Fall denkbar sind.
Vergleich: CLP vs. Mediation vs. Gerichtsverfahren
Collaborative Law, Mediation und gerichtliche Verfahren unterscheiden sich deutlich in Struktur, Rolle der Beteiligten und Kostenrisiken:
- CLP: Jede Partei hat eine eigene anwaltliche Vertretung, der Fokus liegt auf kooperativen Verhandlungen und umfassender Transparenz. Es werden rechtlich tragfähige Lösungen entwickelt, ohne den Konflikt an ein Gericht zu delegieren.
- Mediation: n neutraler Mediator unterstützt die Parteien bei der Kommunikation und Lösungsfindung. Anwälte sind – wenn überhaupt – eher begleitend im Hintergrund tätig.
- Gerichtsverfahren: Das Gericht entscheidet auf Grundlage des Vortrags der Parteien. Der Prozess ist formalisiert, häufig langwierig und kann die Beziehung der Beteiligten belasten.
Kostenmäßig kann CLP im Vergleich zu einem ausgedehnten Gerichtsverfahren häufig günstiger sein, insbesondere wenn mehrere Instanzen vermieden werden. Eine vertiefte Gegenüberstellung der Verfahren finden Sie auf unserer Seite Mediation vs. Collaborative Law.
Anwaltssuche & Voraussetzungen
Braucht jede Partei einen eigenen CLP-Anwalt?
Ja. Die Begleitung durch jeweils eigene CLP-Anwälte ist ein Kernbestandteil des Collaborative-Law-Modells. Nur so ist sichergestellt, dass die individuellen Interessen und rechtlichen Positionen jeder Partei angemessen berücksichtigt werden. Gleichzeitig verpflichten sich alle Beteiligten, die Grundprinzipien von CLP – Transparenz, Fairness und Kooperationsbereitschaft – einzuhalten.
Die Anwälte sind speziell in Collaborative Practice geschult. Sie kombinieren klassische anwaltliche Vertretung mit kooperativen Verhandlungstechniken. Dies unterscheidet CLP deutlich von reinen Vergleichsverhandlungen im Schatten eines Gerichtsverfahrens. Auf unserer CLP-Übersichtsseite erläutern wir, welche Qualifikationen und Erfahrungen für CLP besonders relevant sind.
Wie finde ich einen qualifizierten CLP-Anwalt?
Wichtig ist, dass Ihr Anwalt sowohl im materiellen Recht (z. B. Familienrecht, Erbrecht, internationales Privatrecht) als auch im CLP-Verfahren selbst erfahren ist. Achten Sie darauf, dass eine spezifische Ausbildung in Collaborative Practice vorhanden ist und das Verfahren regelmäßig angewendet wird.
Unsere Kanzlei verfügt über Standorte in Berlin, Hamburg und München und arbeitet bundesweit sowie per Videokonferenz. In deutsch–französischen Fällen greifen wir auf ein Netzwerk spezialisierter Partneranwälte in Frankreich zurück. Für viele Mandanten ist ein erstes Orientierungsgespräch hilfreich, um zu klären, ob Collaborative Law zu ihrer Situation passt und wie sich das Verfahren konkret gestalten lässt.
Ist die CLP-Vereinbarung rechtsverbindlich?
Die im Rahmen von Collaborative Law erarbeiteten Ergebnisse münden in der Regel in eine schriftliche Vereinbarung. Diese kann – je nach Gegenstand – notariell beurkundet oder gerichtlich protokolliert werden. In Scheidungs- und erbrechtlichen Konstellationen ist die notarielle Beurkundung häufig erforderlich, damit die Vereinbarung rechtsverbindlich und vollstreckbar wird.
Die Rolle von CLP besteht darin, den Inhalt dieser Vereinbarungen kooperativ und interessengerecht zu entwickeln. Die rechtliche Verbindlichkeit entsteht dann durch die gewählte Umsetzungsform (z. B. notarieller Vertrag, gerichtlicher Vergleich). Welche Form in Ihrem konkreten Fall sinnvoll ist, hängt von den betroffenen Regelungen (z. B. Vermögensauseinandersetzung, Unterhalt, Immobilien) und den gesetzlichen Vorgaben ab.
Anwendungsfälle & Beispiele (Trust-Building)
Beispiel 1: Einvernehmliche Scheidung mit Immobilie
Ein verheiratetes Paar mit zwei minderjährigen Kindern und gemeinsamem Haus steht vor der Trennung. Beide möchten eine gerichtliche Auseinandersetzung vermeiden und zugleich eine Lösung finden, die den Kindern Stabilität bietet. Im CLP-Verfahren werden zunächst die Bedürfnisse aller Beteiligten, insbesondere der Kinder, gesammelt. Anschließend wird geklärt, ob das Haus gehalten oder verkauft werden soll, wie die Betreuung der Kinder organisiert wird und welche Unterhaltsregelungen angemessen sind.
Im Verlauf mehrerer Sitzungen entsteht ein Konzept, das vorsieht, dass eine Partei zunächst im Haus bleibt, während ein klar geregelter Fahrplan für einen späteren Verkauf und die Aufteilung des Erlöses vereinbart wird. Die Betreuungszeiten und Unterhaltszahlungen werden so gestaltet, dass sie mit den beruflichen Möglichkeiten beider Elternteile vereinbar sind. Die Vereinbarung wird notariell beurkundet und später im Scheidungsverfahren zugrunde gelegt.
Beispiel 2: Erbstreit in Erbengemeinschaft (Hausverkauf/Abfindung)
Nach dem Tod eines Elternteils entsteht zwischen mehreren Geschwistern Streit über die Zukunft des gemeinsam geerbten Hauses. Während eine Person das Haus selbst nutzen möchte, drängt eine andere auf einen schnellen Verkauf. Im CLP-Verfahren werden zunächst die wirtschaftliche Situation, die emotionalen Bindungen an die Immobilie und die steuerlichen Rahmenbedingungen transparent gemacht.
Unter Einbeziehung eines neutralen Sachverständigen wird der Verkehrswert des Hauses ermittelt. In den gemeinsamen Sitzungen wird schließlich eine Lösung entwickelt, bei der eine Person das Haus übernimmt und die übrigen Miterben eine abgestufte Abfindung erhalten, teilweise sofort, teilweise in Raten. Ein klarer Zahlungsplan und Sicherungsmechanismen werden vereinbart, um spätere Konflikte zu vermeiden. Für weitere Informationen zu solchen Konstellationen verweisen wir auf unsere Seite Erbstreit gütlich beilegen.
Beispiel 3: Deutsch–französischer Erbfall (Immobilie in Frankreich)
In einem deutsch–französischen Erbfall hinterlässt die Erblasserin Vermögen in Deutschland und eine Immobilie in Frankreich. Die Erben leben in verschiedenen Ländern und sind unsicher, welches Recht zur Anwendung kommt und wie die Immobilie sinnvoll in die Nachlassregelung eingebunden werden kann. Im Rahmen eines CLP-Verfahrens werden sowohl deutsches als auch französisches Recht berücksichtigt, unterstützt durch eine französische Partnerkanzlei.
In gemeinsamen, teilweise mehrsprachigen Sitzungen werden Optionen entwickelt: Verkauf der Immobilie, Eigennutzung durch eine Erbin oder Vermietung mit späterem Verkauf. Steuerliche Auswirkungen und praktische Fragen (Verwaltung, Instandhaltung) werden mit einbezogen. Am Ende steht eine notarielle Vereinbarung, die sowohl in Deutschland als auch in Frankreich umgesetzt werden kann. Vertiefende Informationen zu solchen Fällen finden Sie auf unserer Seite zum internationalen Erbrecht (D–FR).
Häufige Sorgen & Missverständnisse
„Wir verstehen uns kaum noch – funktioniert CLP trotzdem?“
Viele Mandanten befürchten, dass Collaborative Law nur funktioniert, wenn die Beziehung noch „gut“ ist. Tatsächlich ist CLP aber gerade für Situationen gedacht, in denen die direkte Kommunikation schwierig oder belastet ist. Die Gespräche finden in einem klar strukturierten Rahmen statt, moderiert durch die beteiligten Anwältinnen und Anwälte. Emotionale Themen und Konflikte dürfen benannt werden, ohne dass das Verfahren aus dem Ruder läuft.
Entscheidend ist weniger die aktuelle Stimmung als die grundsätzliche Bereitschaft, sich auf ein faires, transparentes Verfahren einzulassen und die andere Seite als Verhandlungspartner anzuerkennen. Wenn eine Partei jegliche Kooperation ablehnt oder bewusst blockiert, kann CLP an seine Grenzen stoßen. In vielen Fällen lässt sich jedoch auch bei erheblicher Spannung ein tragfähiger Arbeitsmodus finden.
„Ich habe Angst, benachteiligt zu werden.“
Das Bedürfnis nach Schutz und Fairness ist zentral. Anders als in rein informellen Gesprächen sind Sie im CLP-Verfahren jederzeit durch Ihren eigenen Anwalt begleitet, der Ihre Interessen kennt, rechtlich berät und auf Augenhöhe verhandelt. Gleichzeitig gelten für alle Beteiligten die gleichen Transparenz- und Offenlegungspflichten, sodass „Überraschungsangriffe“ möglichst vermieden werden.
Die gemeinsame Teilnahmevereinbarung legt wichtige Verfahrensregeln fest, etwa zum Umgang mit Informationen, zu Vertraulichkeit und zur Einbindung von Experten. Dadurch entsteht ein Rahmen, in dem Verhandlungslösungen entwickelt werden können, ohne dass Sie Ihre rechtliche Position aus der Hand geben müssen. Wo erforderlich, kann zusätzlich auf unabhängige Bewertungen (z. B. Gutachten, steuerliche Einschätzungen) zurückgegriffen werden.
„Was, wenn eine Partei nicht ehrlich verhandelt?“
Absolute Sicherheit gibt es in keinem Verfahren. Auch in Gerichtsprozessen kann es vorkommen, dass Informationen zurückgehalten oder verzerrt dargestellt werden. Collaborative Law setzt auf Transparenz und verpflichtet alle Beteiligten zu einer offenen Mitwirkung. Verstöße gegen diese Grundprinzipien können das Verfahren gefährden und zum Abbruch führen.
Gleichzeitig ermöglichen die gemeinsame Struktur und die kontinuierliche anwaltliche Begleitung, Unklarheiten frühzeitig anzusprechen und aufzuklären. In vielen Fällen lassen sich Missverständnisse oder Fehlwahrnehmungen im Rahmen der gemeinsamen Sitzungen bereinigen. Wenn sich herausstellt, dass eine Partei dauerhaft gegen die Transparenzpflicht verstößt oder manipulative Strategien verfolgt, ist CLP möglicherweise nicht das geeignete Verfahren und andere Wege – etwa gerichtliche Klärung – müssen geprüft werden.
„Ist CLP eine Art Mediation mit Anwalt?“
Collaborative Law und Mediation haben Schnittmengen, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten. In der Mediation führt eine neutrale dritte Person durch das Verfahren, während Anwälte – falls beteiligt – eher im Hintergrund bleiben. Im CLP-Verfahren sitzen die anwaltlichen Vertreter beider Seiten mit am Tisch und wirken aktiv an der Lösungsentwicklung mit.
Man könnte CLP vereinfacht als „kooperativen Verhandlungsrahmen mit anwaltlicher Begleitung“ beschreiben. Es verbindet die strukturierte, interessenorientierte Herangehensweise der Mediation mit der rechtlichen Expertise und Verantwortung der anwaltlichen Vertretung. Für manche Konstellationen kann eine reine Mediation ausreichend und sinnvoll sein, in anderen Fällen bietet CLP den größeren Schutzrahmen. Eine Gegenüberstellung beider Modelle finden Sie auf unserer Seite Mediation vs. Collaborative Law.
Fazit & Weiterführende Ressourcen
Collaborative Law ist eine transparente, strukturierte und faire Alternative zum klassischen Gerichtsverfahren. Es ermöglicht es den Beteiligten, ihre Konflikte mit anwaltlicher Unterstützung kooperativ zu lösen, ohne die Entscheidung an ein Gericht abzugeben. Gerade in Familien- und Erbstreitigkeiten, in denen Beziehungen bestehen bleiben sollen, kann CLP helfen, tragfähige Lösungen zu entwickeln und Eskalationen zu vermeiden.
Ob CLP für Ihre konkrete Situation geeignet ist, lässt sich am besten in einem persönlichen Erstgespräch klären. Gern erläutern wir Ihnen die Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens im Kontext Ihrer individuellen Ausgangslage.
Weiterführende Informationen finden Sie auf:
- unseren CLP-Grundlagen,
- der Seite zur einvernehmlichen Scheidung mit CLP,
- der Seite Erbstreit gütlich beilegen,
- dem Bereich internationales Erbrecht (D–FR),
- der Vergleichsseite Mediation vs. Collaborative Law.
Wenn Sie prüfen möchten, ob Collaborative Law zu Ihrem Konflikt passt, stehen wir Ihnen für eine erste Einschätzung gerne zur Verfügung.

