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Einvernehmliche Scheidung mit Collaborative Practice (CLP)

Einleitung – Warum viele Paare heute nach einer einvernehmlichen Scheidung suchen

Eine Trennung ist für die meisten Paare eine der belastendsten Phasen im Leben. Neben der emotionalen Dimension stehen praktische Fragen im Raum: Wo werden die Kinder leben? Wie wird Vermögen aufgeteilt? Wer zahlt welchen Unterhalt? Viele Betroffene wünschen sich in dieser Situation vor allem eines: eine einvernehmliche Scheidung, die ohne Rosenkrieg, jahrelange Gerichtsverfahren und unkalkulierbare Kosten auskommt.

Gleichzeitig besteht häufig Unsicherheit: Reicht es, „sich zu einigen“? Wie lässt sich eine faire Lösung finden, wenn beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen haben? Und wie können Eltern die Belastung für Kinder möglichst gering halten, ohne auf rechtliche Sicherheit zu verzichten?

Genau hier setzt Collaborative Practice (CLP) an. CLP ist ein strukturiertes, außergerichtliches Verfahren, das speziell dafür entwickelt wurde, faire einvernehmliche Lösungen bei Trennung und Scheidung zu ermöglichen – unter Mitwirkung spezialisierter Anwälte, die nicht gegeneinander, sondern gemeinsam mit den Beteiligten arbeiten.

Grundprinzip – Was ist Collaborative Practice bei der Scheidung?

Collaborative Practice (CLP) ist ein kooperatives Verfahren zur Konfliktlösung im Familienrecht. Es verbindet die Vorteile einer einvernehmlichen Scheidung mit der Sicherheit anwaltlicher Beratung auf beiden Seiten.

Kernpunkte sind:

  • Beide Partner beauftragen jeweils eine eigenen anwaltlichen Vertreter, die/der in CLP ausgebildet ist.
  • Alle Beteiligten verpflichten sich vertraglich zu einem fairen, transparenten und außergerichtlichen Verfahren.
  • Entscheidungen werden nicht dem Gericht überlassen, sondern in gemeinsamen Sitzungen erarbeitet.
  • Im Mittelpunkt stehen Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten – insbesondere der Kinder – und nicht das Durchsetzen von Maximalpositionen.
  • Das Verfahren ist vertraulich und findet in geschützter Atmosphäre statt.

CLP ist international etabliert und wird in vielen Rechtsordnungen insbesondere im Familienrecht eingesetzt. In Deutschland gewinnt das Verfahren zunehmend an Bedeutung, vor allem bei Paaren, die eine Scheidung ohne traditionelle Gegnerschaft suchen, aber dennoch Wert auf umfassende rechtliche Begleitung legen.

Ablauf – So funktioniert eine CLP-Scheidung Schritt für Schritt

Eine einvernehmliche Scheidung mit CLP folgt einem klar strukturierten Ablauf. Dieser kann im Einzelfall angepasst werden, orientiert sich aber typischerweise an den folgenden Schritten:

1. Erstberatung und Entscheidung für CLP

Zunächst führt jede Partei ein individuelles Beratungsgespräch mit einem CLP-Anwalt. In diesem Gespräch wird erläutert,

  • ob CLP im konkreten Fall geeignet erscheinen,
  • welche Ziele und Erwartungen die Mandanten haben,
  • welche Alternativen es gibt (z. B. klassische anwaltliche Vertretung, Mediation).

Wenn sich beide Seiten für CLP entscheiden, beauftragen sie jeweils ihren eigenen CLP-Anwalt.

2. Vereinbarung des Collaborative-Verfahrens

Zu Beginn steht eine gemeinsame Sitzung, in der:

  • das Verfahrensprotokoll besprochen,
  • alle Beteiligten eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit unterzeichnen und
  • die Regeln des Umgangs (z. B. Offenlegungspflichten, respektvolle Kommunikation) festgelegt werden.

Ein zentraler Bestandteil dieser Vereinbarung ist die sogenannte Qualifikationsklausel: Kommt es trotz aller Bemühungen doch zu einem Gerichtsverfahren, dürfen die CLP-Anwällte die Parteien dort nicht vertreten. Dies schafft einen starken Anreiz, ernsthaft auf eine einvernehmliche Lösung hinzuarbeiten.

3. Informationsphase und Bestandsaufnahme

Anschließend werden alle für die Scheidung relevanten Themen strukturiert erfasst, etwa:

  • Vermögenswerte (Immobilien, Konten, Unternehmensbeteiligungen)
  • Schulden und laufende Verpflichtungen
  • Unterhaltsfragen (Trennungsunterhalt, nachehelicher Unterhalt, Kindesunterhalt)
  • Sorge- und Umgangsregelungen für Kinder
  • Vorsorge- und Rentenfragen

Die Parteien verpflichten sich zur offenen und vollständigen Offenlegung der notwendigen Informationen, damit auf Basis vollständiger Fakten entschieden werden kann.

4. Gemeinsame Verhandlungssitzungen

Die eigentliche Arbeit findet in gemeinsamen Sitzungen statt, an denen beide Parteien mit ihren jeweiligen CLP-Anwälte teilnehmen. Je nach Fallkonstellation können weitere Fachpersonen hinzukommen, z. B. Finanzexperten oder psychologische Fachkräfte.

In diesen Sitzungen werden:

  • die Interessen beider Seiten herausgearbeitet,
  • mögliche Lösungsoptionen gesammelt,
  • Szenarien durchgespielt und bewertet,
  • konkrete Regelungen Formulierung für Formulierung erarbeitet.

Ziel ist eine maßgeschneiderte, faire und tragfähige Vereinbarung, die sowohl rechtlich belastbar als auch für die Beteiligten persönlich akzeptabel ist.

5. Abschluss: Notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung

Die Ergebnisse des CLP-Verfahrens werden in der Regel in einer notariellen Scheidungsfolgenvereinbarung festgehalten. Darin können unter anderem geregelt werden:

  • Vermögensauseinandersetzung
  • Unterhaltsvereinbarungen
  • Sorgerecht und Umgangsregelungen
  • Wohnungszuweisung und Nutzung von Immobilien

Diese Vereinbarung schafft Rechtssicherheit und bildet die Grundlage für die spätere gerichtliche Scheidung, die sich dann häufig auf den eigentlichen Scheidungsausspruch beschränkt.

Vorteile – Warum CLP besonders bei Scheidungen überzeugt

Eine einvernehmliche Scheidung mit CLP bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber klassisch streitigen Verfahren:

  • Reduzierte emotionale Belastung
    Die gemeinsame, lösungsorientierte Arbeit senkt das Konfliktniveau. Eskalierende Schriftsätze und konfrontative Gerichtstermine entfallen.
  • Stärkere Kontrolle über das Ergebnis
    Die Beteiligten entwickeln ihre Lösung selbst, statt ein Urteil „von außen“ zu erhalten. Das erhöht die Akzeptanz und die Chance, dass Vereinbarungen langfristig eingehalten werden.
  • Rechtliche Begleitung auf beiden Seiten
    Anders als in einer reinen Mediation hat jede Partei einen eigenen anwaltlichen Beistand. Das schafft Sicherheit, insbesondere bei komplexen Vermögenslagen oder langfristigen Unterhaltsregelungen.
  • Kostentransparenz und Effizienz
    Zwar entstehen Kosten für die anwaltliche Tätigkeit auf beiden Seiten, zugleich werden aber langwierige und teils unvorhersehbare gerichtliche Auseinandersetzungen vermieden. Insgesamt ist das Verfahren häufig kostenschonender als ein eskalierter Rechtsstreit.
  • Besonders geeignet für Paare mit Kindern
    CLP legt großen Wert auf den Schutz der Kinder. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Lösungen für die Kinder möglichst stabil, verlässlich und konfliktarm sind.
  • Wahrung von Beziehungen
    Gerade wenn Eltern auch nach der Scheidung miteinander in Kontakt bleiben müssen, etwa wegen gemeinsamer Kinder oder gemeinsamer Vermögenswerte, hilft CLP, eine tragfähige Basis für die Zukunft zu schaffen.

CLP vs. Mediation – Was unterscheidet beide Verfahren?

Sowohl Mediation als auch Collaborative Practice verfolgen das Ziel, Konflikte einvernehmlich und außergerichtlich zu lösen. Dennoch gibt es wichtige Unterschiede, die für die Wahl des passenden Verfahrens entscheidend sein können.

Rolle der Beteiligten

  • In der Mediation begleitet eine neutrale, allparteiliche Person den Prozess. Sie trifft keine Entscheidungen und vertritt keine der Parteien. Die rechtliche Prüfung erfolgt häufig später, außerhalb der Mediation.
  • In der CLP-Scheidung hat jede Seite eine:n eigenen anwaltlichen Vertreter, die/der zugleich auf Kooperation verpflichtet ist. Rechtliche Fragen können direkt in den Sitzungen geklärt werden.

Grad der Rechtssicherheit

Bei komplexen Vermögenslagen, internationalen Bezügen oder langfristigen Unterhaltsregelungen bietet CLP häufig ein höheres Maß an Rechtssicherheit, weil die Anwälte die Auswirkungen einzelner Regelungen frühzeitig prüfen und gestalten.

Passende Konstellationen

  • Mediation eignet sich besonders bei überschaubaren Konfliktfeldern und wenn beide Seiten eine relativ ausgeglichene Informations- und Verhandlungssituation haben.
  • CLP ist oft sinnvoll, wenn die Beteiligten zwar einvernehmlich auseinandergehen möchten, aber dennoch ein hohes Maß an rechtlicher Strukturierung und Beratung wünschen. Es eignet sich für komplexere Scheidungen mit Vermögen.

Erfahren Sie mehr hierüber in unserer Spezialseite „Meditation, Schiedsverfahren oder CLP„.

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht – im Einzelfall kann auch eine Kombination sinnvoll sein, etwa wenn in bestimmten Teilbereichen mediativ gearbeitet und anschließend eine CLP-Vereinbarung ausgearbeitet wird.

Beispiel – Wie ein typischer CLP-Scheidungsverlauf aussieht

Um greifbarer zu machen, wie eine einvernehmliche Scheidung mit CLP ablaufen kann, ein anonymisiertes Beispiel:

Ein verheiratetes Paar mit zwei Grundschulkindern trennt sich nach vielen Jahren Ehe. Beide möchten eine Eskalation vor Gericht vermeiden und legen großen Wert darauf, weiterhin gemeinsam als Eltern zu funktionieren. Zugleich gibt es offene Fragen zu einer gemeinsam genutzten Immobilie, unterschiedlichen Einkommen und der späteren Altersversorgung.

Nach getrennten Erstberatungen entscheiden sich beide für CLP. In der ersten gemeinsamen Sitzung werden die Ziele festgehalten: Stabilität für die Kinder, faire wirtschaftliche Lösung, klare und praktikable Umgangsregelung.

In den folgenden Sitzungen werden Schritt für Schritt alle Themen bearbeitet:

  • Die Eltern entwickeln ein Betreuungsmodell, das sich an den Bedürfnissen der Kinder und den Arbeitszeiten orientiert.
  • Mit Unterstützung der Anwält:innen wird eine tragfähige Lösung für Unterhalt und Nutzung der Immobilie gefunden.
  • Fragen zur Altersvorsorge und zum Zugewinnausgleich werden rechtlich geprüft und in die Vereinbarung integriert.

Am Ende steht eine umfangreiche notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung, die beide Seiten bewusst und informiert unterzeichnen. Die anschließende gerichtliche Scheidung verläuft formal und ohne weitere Streitpunkte.

Grenzen des Verfahrens – Wann CLP nicht geeignet ist

So wirkungsvoll CLP in vielen Fällen ist: Das Verfahren ist nicht für jede Konstellation geeignet. Zu den typischen Ausschluss- oder Warnsignalen gehören:

  • Akute Gewalt- oder Sicherheitsrisiken
    Wenn eine Partei Angst vor der anderen hat oder es aktuelle Fälle häuslicher Gewalt gibt, steht der Schutz der betroffenen Person im Vordergrund. Ein kooperatives Verfahren im selben Raum ist dann oft nicht angezeigt.
  • Ausgeprägte Verweigerungshaltung
    Wenn eine Partei grundsätzlich nicht bereit ist, Informationen offenzulegen oder auf irgendeine Form von Einigung hinzuwirken, kann CLP seine Stärken nicht entfalten.
  • Massive Machtungleichgewichte
    Wenn z. B. eine Partei wirtschaftlich oder emotional deutlich überlegen ist und dies ausnutzt, kann auch das kooperative Setting nicht immer einen fairen Ausgleich herstellen.
  • Fehlende Transparenz über Vermögen
    CLP setzt darauf, dass alle relevanten Informationen freiwillig und vollständig offengelegt werden. Besteht hier erheblicher Zweifel, kann ein gerichtlich geführtes Verfahren mit Beweismitteln und Zwangsmitteln notwendig sein.

In solchen Konstellationen beraten die CLP-Anwälte offen über Alternativen und Risiken, damit eine informierte Entscheidung über das geeignete Verfahren getroffen werden kann.

Kosten & Risiken – Was Mandanten realistisch erwarten sollten

Die Kosten einer CLP-Scheidung hängen von Umfang und Komplexität des Einzelfalls ab. Üblicherweise arbeiten die beteiligten Anwälte auf Stundenhonorarbasis oder vereinbaren transparente Pauschalen für bestimmte Phasen.

Typische Kostenfaktoren sind:

  • Anzahl und Dauer der gemeinsamen Sitzungen
  • Umfang der Vermögens- und Unterhaltsfragen
  • Einbindung weiterer Fachpersonen (z. B. Steuer- oder Finanzexpert:innen)
  • Erstellung und Abstimmung der notariellen Scheidungsfolgenvereinbarung

Im Vergleich zu einem langwierigen streitigen Gerichtsverfahren sind die Gesamtkosten jedoch häufig besser kalkulierbar und insgesamt niedriger, weil Eskalationsschleifen und parallele Gerichtsverfahren vermieden werden.

Ein wichtiges Merkmal von CLP ist allerdings das bereits erwähnte Risiko beim Scheitern des Verfahrens: Wenn keine Einigung erzielt wird und doch ein Gerichtsverfahren notwendig wird, können die CLP-Anwält:innen die Parteien dort nicht vertreten. In diesem Fall müssen neue anwaltliche Vertreter mandatiert werden, was zusätzliche Kosten verursacht und den Prozess verlängern kann.

Gerade deshalb ist es wichtig, zu Beginn realistisch zu prüfen, ob CLP im konkreten Fall eine tragfähige Option ist.

Warum bow.legal die richtige Kanzlei für CLP-Scheidungen ist

Eine einvernehmliche Scheidung mit CLP erfordert nicht nur juristische Expertise im Familienrecht, sondern auch Erfahrung in kooperativen Verhandlungsverfahren und ein hohes Maß an Sensibilität im Umgang mit persönlichen Konflikten.

bow.legal vereint diese Kompetenzen:

  • Spezialisierte CLP-Anwälte
    Bei bow.legal arbeiten Rechtsanwältinnen mit zertifizierter Expertise im Bereich Collaborative Practice und Familienrecht. Sie kennen sowohl die klassischen Streitverfahren als auch die besonderen Möglichkeiten kooperativer Ansätze.
  • Standorte in Berlin, Hamburg und München – Beratung auch remote
    Mandanten können persönlich an den Standorten in Berlin, Hamburg und München betreut werden. Zugleich besteht die Möglichkeit, Sitzungen und Besprechungen per Videokonferenz durchzuführen, sodass auch überregionale Konstellationen abgedeckt sind.
  • Interdisziplinärer Blick auf Vermögen und Vorsorge
    Häufig geht es bei einer Scheidung nicht nur um rechtliche Fragen, sondern auch um wirtschaftliche Weichenstellungen und langfristige Absicherung. bow.legal berücksichtigt diese Aspekte und kann bei Bedarf weitere Fachpersonen einbinden.
  • Klarheit und Transparenz
    Von der ersten Beratung an werden Chancen, Grenzen, Kosten und Risiken eines CLP-Verfahrens offen benannt. So können Mandanten eine informierte Entscheidung treffen, ob eine einvernehmliche Scheidung mit CLP zu ihrer Situation passt.

Wer nach einer strukturierten, fairen und einvernehmlichen Lösung für die Scheidung sucht und dabei auf solide rechtliche Begleitung nicht verzichten möchte, findet in CLP ein starkes Instrument – und in bow.legal eine Kanzlei, die dieses Verfahren mit Erfahrung und Augenmaß einsetzt.

Sybill Offergeld

Rechtsanwältin
Fachanwältin für Familienrecht
Fachanwältin für Erbrecht
Mediatorin

offergeld@bow.legal

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